Tage des Lichts - Erzählungen

Added by Zhoi over 6 years ago

An den Tagen des Lichts wurden ein paar Erzählungen zu diesem Thema im dafür dekorierten verdorrten Stamm im Hain von Umbra weitergegeben, und später noch einmal auf Silan:

Chin-Bin Laos Sage über die Tage des Lichts:

Nun ihr neugierigen Homins, werde ich euch eine Sage erzählen. Ob sie wahr ist, kann ich nicht sagen, aber erzählt wurde sie mir von einer Feuermagierin. Und diese sind nicht dafür bekannt, Unwahrheiten zu erzählen. Wie ihr sicher alle wisst, wurde der grosse Schwarm durch einen Unfall der Fyros-Minenarbeiter ausgelöst. Tausende Kitins krochen durch die Löcher der Rinde und überrannten die Alten Landen. Jede Gegenwehr war zwecklos, wer konnte, floh in die entlegensten Gebiete der Urwurzeln, um sich vor den Bestien zu verstecken.

Aus dem Königreich des Waldes gelang es auch einer Gruppe Matis, die Urwurzeln zu erreichen und sich in einem abgelegenen Gang zu verstecken. Sie ernährten sich hauptsächlich von Arma-Fleisch und Izam-Eiern. Zu ihrer Gruppe gehörte auch Harol-Ribi Nidi, ein anmutiger Matis-Jüngling mit weisser reiner Haut. Harol-Ribi hatte seine gesamte Familie im Grossen Schwarm verloren. Eltern, einen grossen Bruder sowie seine beiden kleinen Schwestern. Doch nicht nur, dass dieser grauenhafte Schicksalsschlag seine Seele quälte. Nein, Harol-Ribi war seit seiner Geburt stumm! Was ihn in der ums Überleben kämpfenden Homingruppe zum absoluten Aussenseiter machte.

Harol-Ribi wurde stets in die am weitesten entfernten Höhlen der Urwurzeln geschickt um Izam-Eier zu suchen oder Armas zu jagen. Was jedoch niemand wusste ist, dass er, da er die Sprache der Homins nie lernen konnte, sich die Sprache der Tiere angeeignet hatte. Unserer Flüchtlingsgruppe ging es zunehmend schlechter. Zwar waren sie keinen Kitins mehr begegnet, doch die Nahrung wurde immer knapper und alle litten schrecklichen Hunger. Sie fanden kaum noch einen Arma und wie Izam-Eier schmeckten, wussten sie fast nicht mehr, da sie bestenfalls noch leere oder zerstörte Izam-Nester fanden.

Auch machte ihnen die mittlerweile jahrelange Dunkelheit zu schaffen. Aber einen Ausweg aus der Düsternis der Urwurzeln hatten sie bisher nicht entdecken können. Mit groben Worten schickten sie Harol-Ribi zur Eiersuche und Armajagd in eine entlegen Gegend in der Hoffnung, er würde etwas Nahrung finden. Und wenn dieser stumme Matis unterwegs von Kitins zermalmt würde, wäre es um ihn ja nicht schade.

Harol-Ribi war drei Tage unterwegs und konnte vor Hunger und Schwäche kaum noch gehen, als er eine Arma-Herde erblickte. Rasch zog er seine Dolche und wollte sich auf den dicksten Arma der Herde stürzen. In diesem Augenblick erhielt er eine solch heftige Maulschelle, dass er 5 Meter weit flog und sich nach dreimaligen Überschlag auf seinem Hintern wieder fand. Verdutzt schaute er auf ein Gubani Mädchen, welches ihn zornig anfunkelte. "Wie kannst du Dummkopf es wagen, die wenigen Armas die es noch gibt, zu meucheln?" zischte sie ihn an. "Aber...aber", stotterte er "ich hab doch nur Hunger!"

Das Gubanimädchen winkte ihm mit dem Kopf zu folgen und hinter dem nächsten Hügel lagen einige Izam-Eier.
Nachdem das Gubanimädchen Harol-Ribi aufmunternd zugenickt hatte, schlürfte er heisshungrig ganze drei Eier aus. Nachdem Harol-Ribi einigermassen gesättigt war, schaute er das Gubanimädchen neugierig an.
Als er in ihre tiefbraunen Augen sah, entdeckte er ein Funkeln, was ihn an Licht erinnerte und er seufzte tief an die Erinnerung der Majestätischen Wälder im Sonnenschein. Das Gubanimädchen musterte ihn eindringlich und bei seinem schwermütigen Blick wurde ihr ganz warm ums Herz.

Als sich der Matis und das Gubanimädchen so tief in die Augen sahen, fing sie unwillkürlich, ja fast gegen ihren Willen an zu ihm zu flüstern. "Die Flüchtlinge haben die Izams und Armas fast ausgerottet. Dabei seid ihr so dumm!" "Armas mit ihrer feinen Spürnase finden fast jedes Izamnest", haucht sie. "Aber wir dürfen die Population der Izams nicht zerstören.", fuhr sie fort. "Izams können nur bis zwei zählen. Sie sehen also in ihrem Nest, ob es 1, 2 oder viele Eier hat", sagte sie in nun sachlich erklärendem Ton. "Wir Gubani mögen Izam-Eier auch, aber wir lassen immer 3 Eier im Nest zurück. So denken die Izam, es sind noch viele Eier da." "Und 3 Eier sorgen dafür, dass es genug Izam-Nachwuchs gibt", schloss sie die Erklärung.

Merkt euch also: plündert nie ein Izam-Nest komplett, sondern lasst immer 3 Eier zurück!

Harol-Ribi nickte verstehend und sah dem Gubanimädchen weiter tief in die Augen bei seiner Frage:"Und welches Geheimnis umgibt dich?" Dem Gubanimädchen zersprang fast das Herz, als sie erkannte, dass sie jemand vor sich hatte, der bis auf den Grund ihrer Seele schauen konnte."Ich bin Gubaya, die Prinzessin unsere Herde. Meine Eltern wurden von Flüchtlingen getötet. Obwohl unser Fleisch kaum nahrhaft ist.", sagte sie mit einem Zittern in der Stimme.

"Willst du mich heiraten und zusammen mit mir deine Herde führen und gedeihen lassen?", fragte Harol-Ribi sie mit einem Flehen in den Augen. "Das ist unmöglich! Wie soll das gehen?", ruft Gubaya erregt. "Nichts lieber als das.", fügte sie seufzend hinzu. "Ich habe eine Idee...", flüsterte Harol-Ribi ihr mit einem Augenzwinkern zu. Gubaya wusste selbst nicht, wieso sie so grenzenloses Vertrauen zu Harol-Ribi empfand. Doch sie folgte ihm, als er den Armas nachschlich, welche Izam-Nester entdeckten.

Sie half ihm, Eier zu sammeln, wobei er sorgfältig darauf achtete, dass immer 3 Eier im Nest blieben. Sie bewunderte ihn, als er sich mit nur zwei Dolchen bewaffnet auf einen jungen Vorax stürzte, der der Meinung war, ein Gubanimädchen wäre ein gutes Appetithäppchen. Sie zeigte ihm, wo es Aufgänge aus den Urwurzeln an das Licht der Oberfläche von Atys gab. Sie wusste, dass es richtig war, als er ihr seinen Plan erklärte.

"Liebste Gubaya, ich werde nun meinen Plan in die Tat umsetzen.", sagte Harol-Libi feierlich zu ihr. "Die Flüchtlinge dürsten nach dem Licht, nach neuem Leben. Hier in den Wurzeln vernichten sie das Leben, einfach weil sie nicht verhungern wollen." "Ich werde den Flüchtlingen den Weg zum Licht zeigen und dann zu dir zurück kehren.", sagte Harol-Ribi feierlich. "Aber wie willst du das tun? Und auch du bist ein Homin und suchst das Licht!", stammelte sie verzweifelt und mit Schmerz im Herzen.

"Vertrau mir Liebste und warte hier auf mich", flüsterte Harol-Ribi. Während Harol-Ribi diese Worte sprach, zog er einen Beutel mit Kräutern aus der Tasche. Seine Grossmutter hatte ihm diesen gegeben, ohne daß er wusste, wofür die Kräuter gut sein sollten. "Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, wirst du es wissen kleiner Harol-Ribi", sagte seine Grossmutter auf dem Sterbebett, als er noch ein kleiner Junge war. Nun, dies war der Zeitpunkt!
Harol-Ribi streute die Kräuter über seinen Kopf und den von Gubaya und dann küsste er das Gubanimädchen.

Augenblicklich verwandelte sich Harol-Ribi in einen weissen Gubaniprinzen.

Er zwinkerte der völlig verdutzten Gubaya zu, klemmte sich einige Izam-Eier unter den Bauch und galoppierte zurück zum Lager seiner Flüchtlingsgruppe. Kurz vor dem Lager der Flüchtlinge machte er halt und wartete die Nacht ab. Als selbst die spärlich aufgestellten Wachen vor Hunger eingeschlafen waren, stahl er sich ins Lager.
Er warf sich sämtliche Waffen der Flüchtlinge auf den Rücken, liess ihnen aber etliche Izam-Eier da, damit sie sich stärken konnten.

Als die Homins am Morgen erwachten, war das Geschrei und Erstaunen gleichermassen gross. Die Wut über die fehlenden Waffen legte sich, als die Gruppe Homins sich endlich an gebratenen Izam-Eiern sattessen konnten. Dabei fiel ihnen ein ums Lager tänzelnder weisser Gubani auf. Sie beschlossen, ihn zu jagen. Ohne Waffen blieb es aber nur eine Verfolgungsjagd. Bis sie plötzlich vor einem Wirbel standen, zu dem sie der weisse Gubani geführt hatte. Sie traten durch den Wirbel - und sahen Licht! Der Gubani hatte sie gefahrlos an die Oberfläche geführt!

Ihr wollt wissen, was aus Harol-Ribi und Gubaya geworden ist? Harol-Ribi führt mit Gubaya zusammen erfolgreich eine Gubaniherde in den Urwurzel. Manchmal macht er sich auf die Suche nach Flüchtlingen, um sie zu einem Wirbel zu führen, der ans Licht der Oberfläche führt. Harol-Ribi Nidi, den Matisjüngling gibt es nicht mehr. Aber dem Gubaniprinzen, welcher Homins ans Licht führt und glücklich mit Gubaya ist, kann man manchmal begegnen. Sein Name ist nicht mehr HArol-RIbi NIdi, sondern schlicht: Harini.

Diese Episode soll sich im Atysjahr 2484 zugetragen haben, dem Jahr, als der Aufstieg der Homins aus den Urwurzeln begann. Daher feiern wir zu dieser Zeit jeweils die Tage des Lichts.


Replies

RE: Tage des Lichts - Erzählungen - Added by Zhoi over 6 years ago

Chancheys Geschichte:

Ich habe eher was kleines, ein paar Reime für Kinder. Es ist das Gedicht von den 10 kleinen Gubanis.
10 kleine Gubanis, die wollten einen Trek,
der erste hatt' das Ticket schon, da war er plötzlich weg.
9 kleine Gubanis, die wussten nicht wohin,
der eine lief in Yetins rein, da war er dann auch hin.
8 kleine Gubanis, verließen dann das Void,
einer war zu spät gekomm', der wartet da noch heut.
7 kleine Gubanis, die trafen bald Bajam,
der Hunger quält' ihn fürchterlich, Gubani, lecker: mjam!
6 kleine Gubanis erreichten einen Tribe,
der eine fand die Hütten toll und sagte gleich: Ich bleib!
5 kleine Gubanis, die trafen Lunamoon,
die mag doch kleine Häschen gern, da wohnt der eine nun.
4 kleine Gubanis, die wollten in den Ring,
einer der flog immer raus, nach Thesos, so ein Ding!
3 kleine Gubanis, die hüpften durchs Portal,
der eine kam woanders raus, so ist das halt manchmal.
2 kleine Gubanis, die kamen in die Seen,
der eine hatte Angst davor und ward nimmer geseh'n.
1 kleiner Gubani, der fand allein sein doof,
der suchte sich nen besten Freund,
das war ein dicker Gnoof.

RE: Tage des Lichts - Erzählungen - Added by Zhoi over 6 years ago

Dachslis Geschichte:

AAAAAAaaaalso, ich hab eine Geschichte über einen alten Vagabunden. Der wohnt da bei Crystabell und trinkt gern Bier. Jeder Trykerbürger sollte ihn kennen. Dachsli grinst leicht. Weil der hilft einem nämlich mit Tipps, wie man Bürger wird, aber dafür will er immer eine Flasche Blackmoores. Was ich persönlich ja verstehen kann. breit grinst Naja, jedenfalls war der alte Vagabung ziemlich arm und er hätte gern mehr Blackmoores getrunken, als die paar Bürgeranwärter jeweils vorbei brachten.

Der Alte konnte weder lesen noch schreiben, daher gabs in Crystabell auch immer nur schlecht bezahlte Aushilfsjobs für ihn. Da kam er auf die glorreiche Idee, er könne ja zur Schule gehen und lesen und schreiben lernen, vielleicht würde das seine finanzielle Laage verbessern. Voller Tatendrang schwamm er nach Crystabell und ging zur Schule. Der Lehrer, welcher mitten im Unterricht mit jungen Homins war, schaute ihn erstaunt an.

"Ich will lesen und schreiben lernen." sagte der Vagabund. "Dafür bist du zu spät" meinte der Lehrer. Verdrossen zog der Alte wieder ab. Um am nächsten morgen ganz früh und rechtzeitig zum Unterricht zu erscheinen. "Nein nein" versuchte der Lehrer ihm zu erklären "du bist zu alt für die Schule". Seufzend zog der Alte wieder ab.

Gerade als er die Stadt verliess, fand er zufällig unter einem Steg eine dicke Kiste mit Dappern. Sie war bestimmt einem Händler vom Mektoub gefallen und der Vagabund brachte sie zum Stadtwachenkommandanten. "Wann hast du diese gefunden?" fragte der Kommandant? "Als ich aus der Schule kam.", antwortete der Alte wahrheitsgemäss. "Das ist so lange her, der Besitzer ist nicht mehr zu ermitteln, die Dapper gehören dir!" beschied ihm der Kommandant.

Seit diesem Glücksfall ist der Vagabund oft an der Bar von Crystabell zu finden, aber von Bürgeranwärtern lässt er sich trotzdem gern ein Bier spendieren.

RE: Tage des Lichts - Erzählungen - Added by Zhoi over 6 years ago

Wasaris Geschichte:

Mein Vater erzählte mir folgende Geschichte: es war ein schöner Frühlingsmorgen, als ich wie jeden Tag meine Tasche packte, die Hacke über die Schulter legte und mich auf den Weg machte, um Rohstoffe zu suchen. „Wilton!“, hörte ich die lieblichste Stimme auf ganz Atys hinter mir rufen und drehte mich noch einmal um. „Wilton, sei bitte vorsichtig beim Buddeln. Du weißt, wie schnell du eine Explosion oder Gas auslöst.“ „Jupp!“, gab ich zurück und warf meiner wunderschönen Elfur noch einen Handkuss zu.

Unser Glück war jung und sie machte sich einfach viel zu viel Sorgen. Schließlich hatte ich schon einige Erfahrung und was sollte mir überhaupt passieren. Naja, vielleicht hatte ich einmal zu oft von Explosionen und austretendem Gas erzählt, aber bisher hatte mir das alles noch nicht geschadet und zur Not konnte ich ja immer noch Jena anrufen. Alles kein Grund, sich Gedanken zu machen. Fröhlich pfeifend zog ich meines Weges.

In meinem bevorzugtem Buddelgebiet angekommen, fing ich sogleich an, meine Hacke in den Boden von Atys zu senken, sodass die Späne nach allen Seiten spritzten. Mit großem Eifer hob und senkte ich die Hacke, bis mir ein Glühen sagte, ich müsse mit der Pflege beginnen.
„Den einen Schlag noch“, dachte ich bei mir…
… und es machte „pfffffffffff…“
oder so

Ich trat zurück, wartete, bis sich das Gas verflüchtigt hatte, nahm das Material auf und hatte gerade meine Hacke in die nächste Quelle gehauen, da kamen drei große Yubos, Marke Ora, direkt auf mich zu. „Sei gewarnt, junger Homin“, sagten sie zu mir. (Ora ist ein besonders großer Yubo in den grünen Anhöhen) „Wenn Du weiter so rücksichtslos mit unser aller Heimat umgehst, wirst du ein gar schreckliches Schicksal erleiden.“ Sie bemühten sich dabei ihren kläffenden Stimmchen einen schaurigen Klang zu geben und ich musste mir Mühe geben, ernst zu antworten, dass ich mir das merken würde. Sprechende Yubos muss man einfach ernst nehmen.

Hoch erhobenen Hauptes setzten sich die Yubos wieder in Bewegung, nicht ohne an der im Boden steckenden Hacke jeweils ein Bein zu heben und ihre Verrichtung zu verscharren. Über die Bedeutung ihrer Worte grübelnd und mit irritiertem Blick auf die bepisste Hacke grub ich weiter. Aber bald schon hatte ich mein altes Arbeitstempo wieder erreicht. Gleich würde ich wieder pflegen müssen.
Den einen Schlag noch und ...
BUMM
Das ging gerade noch mal gut.

Schnell das Harz in die Tasche gesteckt und weitergebuddelt. Aber kaum hatte ich losgelegt, schlängelte sich etwas warmes weiches um meinen Kopf und bedeckte meine Augen, sodass ich innehielt. Als ich wieder etwas sah, stand ein riesiges Mektoub vor mir und betatschte mit seinem Rüssel meinen Kopf und meine Schultern. „Bist Du nicht bereits wegen deiner rücksichtlosen Art zu buddeln gewarnt worden?“, näselte es.

Ich nickte und dachte mir, ein sprechendes Mektoub hat sicher etwas Wichtiges mitzuteilen. „Dann richte dich auch danach! Sonst wirst Du es bereuen!“ Während ich noch über diese Worte nachdachte, drehte sich das Mektoub um, hob den Schwanz und hinterließ mir noch etwas Dung, was aber nichts mit dem von mir gesuchten Harz zu tun hatte. Verstört nahm ich meine besch… hust Verstört nahm ich meine beschmutzte Hacke und arbeitete weiter. Der Auftraggeber wartete.

Mit jeder erfolgreich gebuddelten Quelle wagte ich wieder mehr.
Noch einen Schlag,
Noch einen Schlag,
gleich pflegen
noch einen Schlag
einer geht noch …
und …

Es war die gewaltigste Explosion, die ich je erlebt habe und ich dachte, ich müsste sterben.

Innerlich bereitete ich mich schon darauf vor, meine Göttin anzurufen. Dann überkam mich eine tiefe Ohnmacht. Keine Ahnung, wie lange ich gelegen habe, aber ich spürte beim Aufwachen sofort, dass etwas anders war als sonst.

Zunächst führte ich die Stille darauf zurück, dass mein Gehör bei der Explosion etwas gelitten habe. Aber dann nahm ich das leise Rauschen des Windes in den Blättern der Palmen und im Gras wahr. Verwirrt blickte ich mich um. Kein Tier war weit und breit zu sehen, abgesehen von ein paar winzigen fliegenden Insekten. Da war noch etwas Seltsames.

Mein Blick ging zum Himmel. Keine Wurzeln zu sehen. War ich etwa im kleinen Nexus? Aber wie sollte ich dahin gekommen sein? Ich sah nach rechts und links und bemerkte, dass es dort in relativ kurzer Entfernung wohl abwärts gehen müsste. Doch etwas mühsam erhob ich meinen Körper und ging Richtung Kante, um zu sehen, wie hoch der Grat denn läge.

Mir wurde beim Herunterschauen fast schwindelig. Es sah fast so aus, als ob die Tiere am Boden unter den Grat liefen und wieder herauskamen. Eine Höhle? Langsam blickte ich nach rechts den Grat entlang und konnte nicht glauben, was ich dort sah. Nach einer Biegung konnte man unter dem Grat hindurchsehen. Also war ich – wie auch immer – auf einer Wurzel gelandet. Oft habe ich mich gefragt, wie es da oben wohl aussähe. Nun, ich war reichlich enttäuscht.

Also machte ich mich daran, einen Weg nach unten zu suchen. Schließlich wartete Elfur auf mich. Da nicht feststellbar war, in welcher Richtung ich das Ende der Wurzel schneller erreichen würde, wählte ich ganz spontan und schritt kräftig aus. Gelegentlich warf ich einen Blick nach unten auf die Spielzeuglandschaft, wo große Tierherden ihre Bahnen zogen.

Einmal sah ich viele bunte Lichter aufblitzen – richtig hübsch anzusehen. Beim Näherkommen konnte ich winzige Gebäude ausmachen, die zu einem Außenposten gehörten. Die bunten Lichter stammten offensichtlich von Explosionen und der Anwendung von Magie. Homins, die sich mal wieder die Köpfe einschlugen. nachdenklich Von hier oben sah das gänzlich unbedeutend aus.

Schließlich erreichte ich einen Punkt, an dem die Wurzel in eine Steilwand überging. Dabei bildete der Übergang ein kleines Plateau. Trotz intensiver Suche fand ich nirgendwo eine Möglichkeit zum Abstieg. Jedoch hörte ich von der anderen Seite des Plateaus Geräusche, fast wie ein Grummeln. Da außer dem Wind sonst nichts zu hören war, wurde ich neugierig und wollte nachsehen. Ihr könnt euch mein Entsetzen nicht vorstellen bei dem, was ich dort sah.

Zunächst konnte ich vor lauter Gewusel keine Einzelheiten erkennen. Dann jedoch konnte ich ein Loch im Boden ausmachen, das ganz offensichtlich bis in die Urwurzeln reichte. Aus diesem Loch strömten Kitin, darunter so mancher, der die größten, die ich je gesehen habe gut um das Doppelte überragte. Bestürzt wich ich zurück und betrat wieder die Wurzel, um zu versuchen, das andere Ende zu erreichen.

Inzwischen brach die Dämmerung an und ich musste dringend eine Pause einlegen. Ich lehnte an eine Palme und überlegte, was meine schöne Elfur in der Zwischenzeit wohl machen würde. Es ärgerte mich, dass ich ihr Sorgen bereitete. Vielleicht sollte ich in Zukunft nicht mehr ganz so unbedacht sein. Um diesen Vorsatz einzuhalten, müsste ich aber erst einmal wieder unten sein. In Gedanken versunken bemerkte ich, wie sich ein Blatt der Palme löste, langsam zu Boden segelte und sanft aufsetzte.

Auf dem Blatt saß ein Käfer der, kaum auf dem Boden angelangt, krabbelnd das Weite suchte. Ich hatte ja schon überlegt von meiner Wurzel zu springen in der Hoffnung, dass Jena mich nach dem Aufprall wiederbeleben würde. Aber die Angst, dass mein Samen ausgelöscht würde, war zu groß.

Wie ich jetzt das Blatt und den Käfer beobachtete, kam mir eine Idee. Ich sammelte alle Palmenblätter ein, die ich finden konnte, und verflocht sie miteinander bis ich so etwas wie ein Riesenblatt beisammen hatte. Um besseren Halt zu bekommen, wurden die Blattstiele am Rand des Riesenblattes miteinander verflochten. Nach dem Vorbild des Käfers müsste ich mich auf das fallende Blatt setzen, was mir aber zu riskant erschien. So ergriff ich den stabilen Rand, sprang und hielt mein Segelblatt über mich.

Während meines Falls dachte ich darüber nach, wie ich diese Idee wohl vermarkten könne. Aber letztlich würde es wohl daran scheitern, dass sich niemand so exakt beim Buddeln sprengen könnte, dass er oder sie auf einer Wurzel landet. So verwarf ich diese Gedanken wieder.

Schließlich gelangte ich am Boden an, wo mich bereits die drei Yubos und das Mektoub erwarteten. Alle vier sahen mich schweigend mit einem Wir-haben-dich-gewarnt-Blick an.

Als ich meine Schritte heimwärts lenkte, folgte mir die Schar auf dem Fuße. Am Ortseingang stürmte uns meine süße Elfur entgegen und warf sich mit den Worten „Da seid ihr ja endlich!“ in die Arme. Ich versprach ihr ernsthaft in Zukunft vorsichtiger zu buddeln und wenig später gründeten wir unsere kleine Familie.

Soweit meine Lieblingsgeschichte unseres Vaters. Wie eingangs gesagt, kann ich nicht sagen, was davon wahr ist. Tatsache ist, dass unser Vater ein Packmekki hatte, wie ich es nirgendwo größer gesehen habe. Tatsache ist auch, dass meine Schwestern und ich als Kinder mit außergewöhnlich großen, außergewöhnlich zahmen und außergewöhnlich stubenreinen Yubos gespielt haben. Allerdings habe ich nie gehört, dass sie redeten.
(ich möchte micht noch bei Kharishan bedanken, der mir erlaubt hat, seine Idee mit dem Buddler, der sich auf eine Wurzel sprengt zu verwenden)