Testlauf des Bohrers Wäldchen von Umbra

Added by Zhoi over 8 years ago

Für alle, die nicht dabei sein konnten, hier eine Aufzeichnung meiner - Zhois - persönlichen Sicht der Ereignisse an diesem Tag ( 7. Mystia des 3. Zyklus 2553 (ooc: Mittwoch, 08.09. 20 Uhr) ):

Schon am Vortag waren alle notwendigen Materialien für den Bau des Bohrers im Hain von Umbra an der Baustelle in der Wölbung abgeliefert worden und die einzelnen Teile des Bohrers waren auch bereits fertiggestellt. Als wir ungefähr 35 Homins uns bei der Baustelle versammelten, lagen dort die Auffang-Behälter der Bohrer allerdings noch am Boden und der Bohrer war noch nicht in Betrieb. Der Zoraï-Weise Saison, der bald ebenfalls eintraf, erklärte uns nach einem obligaten Dankeschön der Bernsteinstädte an alle Helfer, warum dem so war.

Saison erläuterte, daß noch Sap aus dem Sapsee in den Urwurzeln von Umbra beschafft werden müsse, damit der Bohrer in Betrieb genommen werden konnte. Dieses Sap müsse in die Bohrleitungen eingefüllt werden, dann könne der Bohrer angeschaltet werden. Selbstverständlich erklärten sich die Versammelten bereit, den Weisen dabei zu eskortieren.

Schon als wir die Länder von Umbra von der Wölbung aus betraten, fiel uns gleich ein ungewöhnliches Wachstum von Crolice-Wurzeln auch hier in der Tiefe auf. Teilweise wucherten sie so dicht aneinander, daß ein Durchkommen nur schwer möglich war. Auch Yelks fanden wir vor, aber sie verhielten sich (noch?) normal. Allerdings meinten einige der Homins der Gruppe, daß sich andere Tierarten hier für gewöhnlich nicht zeigten oder zumindest ihre Position auffällig gewechselt hätten.

Eine Trykerin führte den Trupp zum Sapsee im Graben der Heimsuchung, wobei es natürlich diverse angreifende Kreaturen zu überwinden gab. Ich hatte als Nachhut ein paar Schwierigkeiten mit grimmigen Yelks, von denen ich hätte schwören können, daß sie zunächst noch friedlich gewesen waren, aber dann plötzlich angriffslustig geworden waren. Hominstimmen wunderten sich außerdem über die Anwesenheit von Voraxen und Varinxen, während andere sich zu erinnern glaubten, daß es diese schon immer in diesem Gebiet gegeben hatte.

Der Weise füllte seine Gefäße am Sapsee mit dem Sap, das leider mit Regenwasser und anderem versetzt war; aber dennoch ausreichend sein sollte, wie Saison sagte. Der Rückweg war etwas schneller geschafft als der Hinweg, wie es mir ehrlich gesagt ja eigentlich immer vorkommt. An der Oberfläche füllte der Weise das geschöpfte Sap dann zügig in den Bohrer - und vor unseren Augen wurde der Bohrer fertig zusammengesetzt und fing auch sogleich zu laufen an.

Dieser von Kamis entworfene Bohrer sollte nun das Sap aus dem Knoten der Sapadern (was "Nexus" genannt wird) tief im Boden herausbohren, um die Stauung dort zu beheben. Jedoch zeigte sich schon kurz nach Inbetriebnahme anhand aufsteigenden Nebels und Pollenflug, daß sich das Sap vermutlich nun auch durch andere Kanäle einen Ausgang suchte.

Der Bohrer würde erstmal einige Zeit laufen müssen, bis man sagen konnte, ob er den gewünschten Effekt hatte - ungefähr bis zum Ende des Winters. Der nächste Bohrer würde dann im jungfräulichen Wäldchen errichtet werden, an der großen Hand. Dafür würden die überzähligen Rohstoffe verwendet werden, die bereits für den ersten Bohrer abgegeben worden waren. Nach den Erfahrungen mit dem ersten Bohrer könnten für den zweiten Bohrer zudem noch eventuell Modifizierungen vorgenommen werden.

Auch ein dritter Bohrer war ebenfalls bereits geplant; der sollte in etwas fernerer Zukunft im Nichts errichtet werden. Außerdem war eine Expedition für Sommerbeginn angedacht, um die Ursachen der Veränderungen zu ergründen. Das würde aber noch beim folgenden Kreis des Wiederaufbaus zu Beginn des Frühlings genauer besprochen werden. Die Rohstoffsammlungen würden auf jeden Fall noch eine Zeitlang weitergehen, damit genügend Material für die Bohrer vorhanden sein würde.

Nachdem der Weise Saison sich verabschiedet hatte, verblieben ein paar Homins noch an der Baustelle, um sich über die Geschehnisse zu unterhalten. Ein Fräulein aus den grünen Anhöhen, das Informationen vom Stamm des schwarzen Kreises gesammelt hatte, ärgerte sich über die Trägheit der Zorai, die die Schwierigkeiten ihrer Ansicht nach viel zu "entspannt" sehen würden und viel zu spät gehandelt hätten. Sie hatte schon sehr früh bereits die ersten Veränderungen an offizielle Stellen gemeldet und war enttäuscht, daß so spät darauf reagiert worden war.

Die anwesenden Zorai - recht wenige, um ehrlich zu sein - verteidigten sich, daß man das nicht so verallgemeinern dürfe; vor allem sei das Volk der Zorai nicht mit der Regierung und den offiziellen Stellen gleichzusetzen. Gleichzeitig wurden auch noch Stimmen laut, die kritisierten, daß die hilfreiche Technologie der Karavan von den Zorai-Weisen abgelehnt worden war. Und es wurde behauptet, daß einige Informationen über die zunehmenden Veränderungen, die den Offiziellen überbracht worden waren, sogar ganz im Nichts verpufft seien.

Es wurde darüber spekuliert, ob die Versäumnisse einfach daran lagen, daß Regierungen im allgemeinen länger brauchen, um zu Entscheidungen zu gelangen. Oder ob es die Art der Zorai sei, über vieles zuerst zu meditieren und zu grübeln, die die verspäteten Reaktionen bewirkt hätten. Oder ob die Gefahren gar allzu lang vollkommen unterschätzt worden waren, bis sie sich als ernstes Problem entpuppten, das ja sogar rasch zu einer wahren Yelkplage von aggressiven Tieren aus dem Untergrund im Hain von Umbra geführt hatte.

Es wurde dafür plädiert, auf der kommenden Versammlung eine Vertretung der Karavans hinzuzuziehen, damit auch sie bei der Angelegenheit helfen könnten. Jedoch wurden auch Mutmaßungen laut, daß die beiden Fraktionen aufgrund ihrer Feindschaft möglicherweise nur das Feuer schüren würden, statt zu helfen. Man soll lieber den Völkern selbst die Entscheidungen und Aktionen überlassen. Und es wurde bemängelt, daß einzelne Karavans und Kamis, denen die Veränderungen bestimmt aufgefallen sein mußten, wie beispielsweise an der Baustelle des Karavan-Altars in den Städten der Einsicht, sich nicht zu den Problemen öffentlich vor allen Homins geäußert hatten.

Zudem wurde die Sorge geäußert, daß sich die Plage von den verdorrenden Landen aus zu allen anderen Ländern ausbreiten könnte, bis sie (über die Seenlande) auch die grünen Anhöhen erreichen würde. Falls sich das Problem über die Urwurzeln weiterverbreiten würde, müßte es jedenfalls als nächstes das Seenland erreichen, und zwar die Strände des Ursprungs. So hatte bereits Saison gemutmaßt.

Interessanterweise wurde von den anwesenden Matis zwar mehr Aktivwerden der Zorai und ihrer Regierung gefordert, aber niemand wollte meinem Vorschlag wirklich ernsthaft zustimmen, in den Urwurzeln und im Seenland zu patrouillieren, um dortige Veränderungen rechtzeitig aufzuhalten oder gar Verdächtige entdecken zu können, von denen sich im Dschungel angeblich welche an den Außenposten-Bohrern zu schaffen gemacht hatten.

Stattdessen wurde der Vorschlag mehrfach überhört und lieber langwierig darüber lamentiert, wie langsam die Zorai auf die neu aufgetauchte Fauna und Flora im Dschungel reagiert hätten. Es wird ja leider sehr gern von anderen Homins Handlung verlangt, aber selbst zögerlich reagiert bis lieber gleich weg-gehört. Und es ist sehr leicht, an anderen herumzukritisieren. Selbstverständlich ist es einfach, zu kritisieren, wenn jemand erst viel redet und nachdenkt, um nicht überhastet etwas Verkehrtes zu tun, und dadurch zögerlich reagiert. Aber noch viel schlimmer wären wir Zorai und unsere Regierung in Grund und Boden kritisiert worden, hätten wir rascher gehandelt, sich das aber als unwirksam oder gar kontraproduktiv erwiesen.

Immerhin kann ich jenen nur zustimmen, die meinten, daß die Feindseligkeiten zwischen Kamigläubigen und Karavananhängern in diesem Fall keine Rolle spielen durften, sondern die Homins selbst handeln müßten. Vielleicht auch ohne zuerst Entscheidungen ihrer Regierungen abzuwarten; da es in der Natur der Politik liegt, doch eher langsam zu reagieren. Oder als Volk im Notfall Druck auf die Verantwortlichen auszuüben, damit nicht wieder so lange Verzögerungen passieren würden.

Zusätzlich wurde noch spekuliert, daß der Ursprung der Veränderungen tief in den nicht begehbaren oder noch unerforschten Urwurzeln liegen könnte. Was natürlich weit schwieriger - falls überhaupt - zu bekämpfen wäre als eine Gaunerei, die durch Manipulatoren von der Oberfläche aus nach unten zu herbeigeführt wurde. So, wie ich es ja hoffe. Einfach nur deswegen hoffe, weil sich das Problem so leichter ergründen und dann auch lösen ließe. Aber welche von beiden Ursachen das Problem ausgelöst haben könnte, ist zur Zeit ja noch unbekannt; vielleicht ist sogar etwas ganz anderes schuld an den Veränderungen.

Überraschenderweise kam noch während der Diskussionen der Weise Gangi Cheng-Ho vorbei, um den in Betrieb genommenen Bohrer zu begutachten. Er interessierte sich für das laufende Gespräch und gab bereitwillig Auskunft, als Fragen an ihn gestellt wurden. Beispielsweise gab er zu, daß die Zorai-Weisen die Vertreter der Karavan auf Atys zu dem Problem des ungewöhnlichen Pflanzenwachstums und der Yelkplage nicht befragt hatten. Dennoch, so sagte der Weise, seien sie natürlich auch in der Aufforderung miteingeschlossen, Informationen dazu zu übermitteln. Nur leider, so sagte Gangi Cheng-Ho, hätten die Vertreter des Karavan dazu bisher geschwiegen, auch wenn er jede Information von ihrer Seite her ernst nehmen würde.

Allerdings hatte der Weise Saison den Bau von Karavan-Bohrern rigoros abgelehnt, da bereits die Pläne für Kami-Bohrer zur Verfügung standen und die Zorai als Volk Karavan-Bohrer wohl nicht sehr positiv aufgenommen hätten. Gangi Cheng-Ho erläuterte zudem, daß seiner Meinung nach die Karavan keine Beziehung zum Sap hätten, weil sie nicht einmal die oberen Urwurzeln betreten würden, wo das Sap stark ist. Während aber die Kamis förmlich aus Sap bestehen würden. Was in diesem Fall, bei einem Problem, das die Sapadern betrifft, also berücksichtigt werden müsse.

Der Weise Gangi Cheng-Ho bemühte sich, die Einstellungen des Weisen Saison zu entschuldigen, die oft härter und schroffer seien als die der anderen beiden Weisen. Der Weise plädierte um Verständnis für Saison, der noch nicht viel Zeit in den Neuen Landen verbracht hatte und dem Rat als letztes hinzugekommen war. Das Volk der Zorai hatte lange Jahre in der Isolation verbracht, in den Alten Landen hatte es eine Große Mauer um seine Länder errichtet, um den Einfluß von Fremdem auszuschließen. Noch immer gibt es daher viele Bürger der Zorai, die Fremden argwöhnisch gegenüberstehen.

Der Weise Saison hatte noch nicht viel Kontakt mit anderen Homin-Völkern in den letzten Jahren, und er ist noch nicht ganz an die Verhältnisse in den Neuen Landen gewöhnt. Dafür hätte er tiefe Einblicke in das Wesen des Saps und sei ein aufrichtiger Homin, betonte Gangi Cheng-Ho. Gangi selbst würde, so sagte er, die Hilfe der Karavan-Anhänger sehr begrüßen, und auch generell die Einflüsse anderer Völker. Es würden bei den Versammlungen dementsprechend auch alle Stimmen gehört werden, die sich dort zu Wort melden.

Im Rat seien die Weisen Bai Ji-mao, Gangi Cheng-Ho und Saison nicht immer einer Meinung, sondern würden auch kontrovers und leidenschaftlich innerhalb des Rates diskutieren. Der Weise Gangi Cheng-Ho, der sich sehr ruhig und milde zeigte, wies überdies darauf hin, daß er selbst sich nicht "weise" nennen würde, denn das wäre töricht. Er erläuterte, daß auch die "Weisen" - bei aller Nähe zum Sap und zu Ma-Duk - doch auch nur Homins seien.

Zusätzlich sei es dem Rat der Weisen immer wichtig, auch die Stimme der Kamis zu hören. Diese hätten gewissermaßen ihren eigenen Zeitbegriff und würden in längeren Zeitmaßstäben denken. Der Weise erläuterte, daß der Rat oder sogar das Volk der Zorai ihrer Ansicht nach den Planeten Atys für die Kamis hüten würde. Die Prozesse des Rates würden sich daher komplexer gestalten, als nach außen dringt.

Gangi Cheng-Ho sagte abschließend zu, Vertreter des Karavan zur nächsten Versammlung zu Frühlingsbeginn persönlich einzuladen. Aber natürlich könne er nicht versprechen, ob sie der Einladung auch Folge leisten würden. Nachdem das von den versammelten Homins sehr positiv aufgenommen wurde und sich der Weise wieder verabschiedet hatte, ging auch ich meiner Wege und bekam von weiteren Gesprächen zu dieser Angelegenheit nichts mehr mit.