Schreie des Grauens

Added by Zhoi over 8 years ago

Für alle, die nicht dabeigewesen sein konnten:

An den Atys-Tagen zwischen dem 8. Fallenor des 2. Zyklus (Herbst) und dem 17. Pluvia des 2. Zyklus im Atys-Jahr 2554 (Winter) bewirkte eine mysteriöse Magie, die sich durch das Lesen eines speziellen Aushangs aktivierte, daß die Homins ihre Ställe von einem wilden Flammenmeer gekrönt sahen, und sich gewöhnliche Zuckerstangen in schaurige Kürbis-Fackeln verwandelten.

Auf einmal mutierten alle Yubos zu Skeletten, und Bodocs wurden zu Zombie-Kreaturen, denen das Blut aus offenen Wunden tröpfelte; während am Himmel ein schädelartiger Mond und ein unbekanntes kürbisförmiges Gestirn aufstiegen, um drohend auf Atys herabzublicken.

Die Tätowierer aller Völker boten - möglicherweise zur Abwehr böser Geister - spezielle Tätowierungen an, die überaus gruslig anmuteten. Matis-Gesichter verwandelten sich dadurch in schwarz-weiße Schädel mit tiefen Augenhöhlen, und die rot-tätowierten grimmigen Fyros-Mienen wirkten, als hätte man ihnen die Haut abgezogen und das blutige Fleisch entblößt.

Dann begann das unerklärliche Verschwinden - in allen Städten lösten sich Homins förmlich in violetten Goo-Rauch auf, der als einziges von ihnen übrigblieb. An den Ställen lagen Kadaver-Reste, vermutlich von bedauernswerten Mektoubs, die Raub der Seelenfresser geworden waren.

Denn von diesen hörte man zu dem Zeitpunkt bereits munkeln. Und zwar von körperlosen Stimmen, die bei den Eingängen der Städte einige Homins fast zu Tode erschreckten. Sie hauchten den Homins zu: "Im Niemandsland der Vorax lungert, meine Seel' doch dort nicht hungert", und: "Sccchhhh! LEISE! Sie sind überall!! ... überall!! ... Du mußt sie finden! Finde sie!"

Ein weiterer geheimnisvoller Geist machte ebenfalls die Runde durch die Städte, von dem nur die Waffe und das Schild (mit einem Totenschädel drauf) zu erkennen waren, die er trug. Glücklicherweise war es ein geselliger Geist, der sich nach dem ersten Schreck humorvoll mit den Homins unterhielt. Einige bekamen sogar ein Brotmesser geschenkt, als sie zur Belustigung des Geistes die neuen Tätowierungen anlegten, und viele andere erhielten Kürbisfackeln an den Ställen ausgehändigt.

An einigen Stellen erschienen aus dem Nichts außerdem noch kleine Grüppchen von skelettösen Yubos, wovor sich ein paar Homins bedauerlicherweise so gruselten, daß sie sie kurzerhand erschlugen. Überraschenderweise ließen sich die Yuboskelette sogar töten, obwohl sie eigentlich schon vorher recht tot ausgesehen hatten.

Einige Zeit später hörte man den Geist über ganz Atys flüstern: "Homins, nehmt euch in Acht! Die Seelenfresser sind wieder unterwegs!", und: "Wo haben sie die Seelen versteckt? Versucht, sie zu erwischen, vielleicht verraten sie es euch."

Und tatsächlich: knapp danach tauchten an den Ställen der Städte noch schlimmere Gestalten als die harmlosen Yuboskelette auf: schwarz gekleidete Homins mit goofarbenen Haaren, die einfach so ohne Vorwarnung über arglose Homins herfielen, welche sich bekanntlich gern mal zu einem Schwatz am Stall treffen. Es war ziemlich mühsam, sich gegen sie zu verteidigen, aber mit vereinten Kräften konnten diese brutalen Kerle besiegt werden.

Einer nach dem anderen sanken die Seelenfresser zu Boden und flüsterten (außer Verwünschungen und Verspottungen ihrer Gegner): "Wasser gibt's dort viel und Sand, Schwimmen muß man oft ans Land. Im Land der Tryker ihr uns sucht? Falsch gedacht, vergebens ruft." "Der Abgrund, er gähnt bodenlos. Seelen kriegt ihr dort nicht los." "Quellen gibt's auf Atys zwei, doch richtig ist hier keinerlei." "Varinxe jagen Homins gern, dem Zielort aber sind sie fern." "Wald gibt's hier, doch ist's nicht selten, Wald zu finden in den Welten. Doch wo genau sind wir zu finden? Irgendwo bei Matis' Rinden." "Die Zorai gelten uns als klug, habt ihr dort geschaut genug? Braucht nicht mehr länger dort noch fahnden, es ist nicht in jenen Landen." "Matis ist der Ort nicht schlecht, doch welcher dort ist uns wohl recht? Fern vom Festland er schon liegt, ob dort der Fresser Stützpunkt liegt?"

Der letzte Hinweis brachte die Lösung, die einige schon erahnt hatten: im Nexus wurden die gestohlenen Seelen aus den Städten gefangengehalten, vermutlich nahe des Berges "Schicksalsende". Viele Homins, darunter auch meine Wenigkeit, machten sich also auf den Weg dorthin; einigen wurde sogar beim Transport hilfreich unter die Arme gegriffen. Trotzdem suchten mehrere Gruppen zunächst an falschen Orten, bis man die Seelenfresser südwestlich des Schicksalsendes in einem eigens zusammengestellten Dorf entdecken konnte.

Am Fuße eines Abhangs entbrann dann ein heftiger Kampf gegen die übermächtigen Magier der Seelenfresser, die erst nach mehreren Anläufen besiegt werden konnten. Sogar das Heilen außerhalb der zusammengestellten Kampfgruppen unterband die böse Magie, was den Homins mehrmals zum Verhängnis wurde, die sich bemühten, die gefangengehaltenen Seelen zu befreien. Dennoch konnte irgendwann das Gute siegen, vermutlich weil den Seelenfressern die Kraft ausging, und die Seelen konnten wirklich wie erhofft erlöst werden.

Als kleine Entschädigung für das vergossene Blut konnten die Homins in einer versteckten Spalte des Berges eine Schatzkiste entdecken, die einen grusligen Gegenstand für die Wohnung enthielt: eine Goo-Wolke, die den Seelenfressern vermutlich ihre grausamen Kräfte, aber auch den Wahnsinn, verliehen hatte. Na, ob das wohl eine gute Idee sein mag, sich so eine Goowolke in die eigene Wohnung einzuladen? Bestimmt bekommt man davon Alpträume, wenn nicht gar üble Kopfschmerzen...

Die befreiten Geister hatten für ihre Retter nun eine nette Überraschung zum Dank parat: sie versteckten überall auf Atys verstreut 8 Kisten mit Geschenken. Jeder, der die Kisten fand, durfte sich daraus etwas nehmen, um seine Wohnung damit zu dekorieren. Freundlicherweise waren viele Finder bereit, ihr Wissen mit den anderen Homins zu teilen, indem sie es an den Aushangstafeln veröffentlichten. So konnten nach recht kurzer Zeit alle Fundorte zusammengetragen werden, die zum Teil ganz schön knifflig versteckt und nicht so ganz leicht zu erreichen waren.

Vier Kisten waren nahe der Altäre in den Städten zu finden, dazu dann noch die acht an geheimeren Orten auf Atys: im braunen Berg im Jungfräulichen Wäldchen, am Ost-Ende des Plateaus im Canyon der Gestzlosen, nordöstlich der Festung "Stachel-des Drachen", südlich vom "Hort" im vergänglichen Garten in der Nähe der Banditen "Green Ravishers", im Knoten der Demenz am westlichen Ende unten am Fuß des hohen Abhangs vom großen Buschland, bei den Frahar-Türmen westlich des Grenzpostens Frahar-Türme, im Hügel der Abtrünnigen nördlich am Fuß des Bergs der Pein, auf einer kleinen Insel in Tautropfen westlich von Crystabel unter dem Hang eines grünen Berges, und in der Nähe des Durchgangs von stillem Wasser zum Ursprung in einer Höhle. Die meisten Kisten enthielten große und kleine Kürbisse, oder aber auch Kürbislaternen.

Eine längere Zeit später wurden die Homins von dem hilfreichen Geist (dem mit dem Totenkopf-Holzschild) zu einer Geschichten-Runde eingeladen - in der Nähe des Psykoplahügels nicht weit von Yrkanis in den Grünen Anhöhen. Dort war ein gemütliches Feuer an einem weniger gemütlichen großen Knochenschädel entfacht worden, um das sich die Homins herum gruppierten.

Nachdem ich eine alte Gruselerzählung aus den Urwurzeln zum Besten gegeben hatte, die mir Vater Chou-Men erzählt hatte, trug Herr Chanchey ein sehr mysteriöses Gedicht über den "Golz" vor; offenbar ein legendäres und ziemlich unbeschreibliches Ungeheuer. Fräulein Nuzanshi berichtete über den Zwölfelf, ebenfalls eine schaurige Kreatur mit geheimnisvollen Kräften, und Fräulein Stiara rief dazu auf, an den Tod zu denken, sowie noch mehr an das, was in seinem Angesicht im Leben wichtig war und ist.

Herr Gazeto gab einige Zeilen über die Geisternacht auf Atys zum Besten, Barukh erinnerte mit seinen Reimen an den kommenden Winter sowie ans noch etwas entfernte Segensfest, und Karishan sang uns sogar ein sehr langes Lied vor, das geistreich und atys-typisch von den guten und weniger guten Seiten der "beliebten" Kincher handelte.

Fräulein Maxime erinnerte sich an ein Gedicht, an dessen Worte sie sich dann doch nicht erinnerte, Fräulein Myeomye konnte nach längerer Wartezeit endlich ihre lange und ausgefeilte Ballade über ihre Lebensweise auf Atys vortragen, Herr Qillian wußte von der Wiederauferstehung von Toten aus dem Goo als Gibbais zu berichten, und Sorum gab an uns sehr lehrreiches Wissen über das Besiegen eines sich schnell regenerierenden Kipees durch Licht weiter.

Zwischendurch schenkte der Geist jedem der Vortragenden ein kleines Präsent für die Wohnung als Dank für die Geschichte oder das Gedicht, und er steuerte selbst ein paar verzwickte Rätsel bei, die gar nicht einfach zu lösen waren. Beispielsweise: "Mein erster Teil passt gut zum "sie",
mein zweiter Teil ist wie das "Gut", das ein Homin besitzt, mein dritter Teil ist flapsig "Nein",
mein vierter Teil "klebt" oft am Fuß, mein fünfter Teil enthält das Schwarzmoor, mein letzter schließlich ist wie der erste." Die Lösung: "erhabene Shufaser" = "Er-Habe-Ne Schuh-Fass-Er".

Den Vogel schoß der Geist aber mit seiner allerletzten eigenen Geschichte ab: die Legende der drei Könige. Es handelte sich dabei um eine Erzählung über einen sehr bösen Homin, dessen Dienste von den vier Herrschern der großen Zivilisationen auf Atys abgelehnt worden waren. Dieser Homin konnte andere schwarze Seelen finden, von denen er für seine Dienste ein eigenes Königreich erhandelte. Doch nachdem er seine Arbeit geleistet hatte, wurde er um das erwartete Königreich betrogen und stattdessen in einen Yubo verwandelt. Aus Rache sprach er mit allen bösen Yubos, die er finden konnte, und wurde zu ihrem König. Er versprach den Herrschern, daß er die Neuen Lande überfallen würde, weil sie ihn abgewiesen hatten - und zwar dann, wenn sie es am wenigsten erwarten würden.

Na, und was denkt ihr? - natürlich attackierte genau an diesem Punkt der Erzählung des Geistes eine Horde von Skelett-Yubos die friedlich versammelten Homins an ihrem Lagerfeuer! Eine Welle von Yubos und Frippos nach der anderen überliefen die Homins; sogar gookranke Yelks kamen dann noch angelaufen, vielleicht von den Yubos vor sich hergetrieben. Und zwischen ihnen sprangen obendrein ein riesenhafter zählebiger Skelett-Yubo sowie ein bösartiger gooverseuchter Riesenfrippo die Homins an. Die Homins konnten nur mit Ach und Krach obsiegen, während der Geist offensichtlich seine helle Freude an ihrer Not hatte.

Als Abschlußgeschenk des Geistes fand sich als "Entschädigung" ein ekelhaft stinkender Kadaver mit ihn umkreisenden Fliegen für die Homins, um damit ihre Wohnungen auszustatten. Während einige der mitgenommenen Gäste Feuerwerk zur Feier des Sieges in den Himmel aufsteigen ließen und andere sich nebenbei zur Stärkung duellierten, erzählte Herr Salazar noch abschließend eine alte Legende über den Bodokin. Von diesem sagt man bei den Matis', daß er über die Seelen der Homins wachen würde, bis sie in Jenas Licht aufgehen. Weswegen man Bodokin, der als guter Geist Matias gilt, nicht erschlagen sollte - denn in der Zeitlang, in der er nicht zurückkehren kann, würden einige Seelen verlorengehen.

Der Geist fand diese alte Erzählung höchst interessant, denn er meinte, daß sie ihm helfen könne, den Weg aus der Zwischenwelt heraus zu finden. Besonders in dieser besonderen Nacht der schaurigen Monde, die dafür ideal wäre. Recht sicher aber würde er in der nächsten solchen Nacht wiederkehren, das versprach er; auch wenn die Zeit der Geister für diesmal nun vorbei wäre. Damit verabschiedete sich der Geist, löste sich endgültig in Luft auf und ward nicht mehr gesehen.

(Also so wirklich als "ooc" empfand ich die Events zu Halloween 2010 gar nicht, bloß einige sehr realweltliche 3D-Modelle und ein paar Spielergeschichten, die wohl vor allem wegen der mangelnden Vorbereitungszeit nicht alle so recht nach Atys passen wollten... Zum Abschluß hier noch ein Link zur Beschreibung des Halloween-Events am englischsprachigen Server: http://en.ryzomnomnom.com/wiki/Event:Halloween_2010 )