Ein Augenblick

Added by Elizabeth over 10 years ago

An diesem stillen wunderschönen Sommertag wehte nur ein laues Lüftchen durch die Wiesen von Matia. Horden von Bodocs zogen durch die Wälder und in den Städten und Dörfern saßen die Wachen in der Mittagssonne und erzählten sich Geschichten aus alten Zeiten.

Aus einem der Wohnbäume trat eine Matis und streckte sich in die Sonne. Blonde zerzauste Locken fielen bis auf ihren Rücken und sie war nur bekleidet mit einem leichten Hemd, welches eindeutig nicht für eine weibliche Figur gemacht wurde. Ein zufriedenes entspanntes Lächeln lag auf ihrem Gesicht.

Mit nackten Füssen wanderte sie durch die ruhige Stadt in Richtung der einsamen Wiese neben der Stadt.

Nur einen Augenblick ganz sie selbst sein.
Nur einen Augenblick Glück.
Nur einen Augenblick Frieden.

In dieser Nacht hatte sie diesen Augenblick erlebt. Und genau bei diesem Augenblick wollte sie verharren.

Sie lächelte und ihr Lächeln wurde im selben Augenblick zu einer Maske des Entsetzens.

Um sie herum tobte Feuer. Die Bäume von Yrkanis standen lichterloh in Flammen. Hände fassten nach hier. Sie sah in verbrannte Gesichter, Gesichter, die ihr vormals bekannt waren, Freunde, Gefährten. Sie sah sie alle sterben. Die Feinde strömten durch die ganze Stadt und erbarmungslos metzelten sie alle nieder. Gehässiges Lachen dröhnte durch die Luft. Sie sah Zeron und sah hinter ihm einen hochgewachsenen Matis in einer Fyrosrüstung. Sie rannte auf ihn zu, rief, wollte ihn warnen, aber er hörte sie nicht. Entsetzt schloss sie die Augen, als das Schwert in Halshöhe durch die Luft schnitt. Das Hemd was sie trug und was sie gerade noch durch seinen Geruch glücklich gestimmt hatte, färbte sich rot. Sie taumelte zurück.

Wie in Zeitlupe bewegte sie sich durch die Flammenhölle. Der Wohnbaum, wo sie die letzte Nacht verbracht hatte, stürzte ein und begrub alle, die sich darin geflüchtet hatten, unter sich.

Sie wollte nach Freunden greifen, sie retten, aber ihre Hand glitt durch die Körper hindurch. Sie sah die Feinde an sich vorbeistürmen, ihre Waffen glänzten vom Blut der Opfer. Ihre Augen funkelten fanatisch, hasserfüllt, metallisch, eisig. Sie liefen durch sie hindurch und sie spürte das Böse. Diese Feinde, so wurde ihr in diesem Augenblick bewusst, wollten keinen ehrenvollen Kampf. Diese Feinde wollten Blut! Blut, Tod und Zerstörung. Sie wollten alle auslöschen, die nicht so waren, wie sie.

Ihr Körper schüttelte sich vor Abscheu, vor Ekel und vor Entsetzen. Sie würgte.

0002.gif (5.2 KB)

Yrkanisklein.jpg (106.4 KB)

libluorn1.gif (3 KB)


Replies

Ein Augenblick - Added by Elizabeth over 10 years ago

Regungslos wartete sie ab. Stunden vergingen.

Irgendetwas kitzelte ihre Nase. Sie versuchte es zu ignorieren und rollte sich noch einmal zusammen. Krampfhaft versuchte sie an dem Traum festzuhalten, der sie scheinbar bewegte, doch schon jetzt entglitt er ihr und ihre Gedanken glitten immer mehr hinüber in die Wirklichkeit. Zurück blieb nur das Gefühl eines Verlustes. Wieder kitzelte sie etwas an der Nase.

Mit einem empörten Unmutslaut schlug sie danach und hörte jemanden lachen. Sie blinzelte, öffnete die Augen ein Stück und schaute direkt in Zerons lachende Augen. Sein Anblick löste seltsame Gefühle in ihr aus, Entsetzen, Erleichterung und Freude. Ganz einordnen konnte sie nicht, wieso das so war. „Ich hab Dich den ganzen Nachmittag gesucht. Ich dachte Du wärst schon fort. Und jetzt finde ich Dich hier schlafend auf der Wiese!“

„Fort? Wieso denn fort?“ „Du wolltest doch gehen. Wegen dem Krieg.“ Kurz hörte sie Schreie in ihrem Kopf. „Krieg?“ Verständnislos sah sie Zeron an.

0002.gif (5.2 KB)

libluorn1.gif (3 KB)

Ein Augenblick - Added by Elizabeth over 9 years ago

Vergangenheit.

Der Fyros musterte sie eisig. Er hatte sie einmal geliebt, das hatte er damals behauptet. Mit seiner Beharrlichkeit hatte er sie dazu gebracht ihm zu vertrauen und sie hatte zugelassen, dass er ein Stückchen ihres Herzens stahl. Nur ein kleines, denn mehr hatte ein anderer nicht übrig gelassen.

Gegenwart.

Der Hass in seinem Gesicht. War es das, was von Liebe blieb, die den Alltag nicht überdauerte? War es das, was von Liebe blieb, wenn der andere nicht fähig war, mehr zu geben, als das was er besaß? Hass? In ihrem Herzen lautete die Antwort anders. Immer wird ein Stück meines Herzens bei Dir bleiben.

Zukunft.

Vergebung! Mein Blut tropft von Deinen Händen.

0002.gif (5.2 KB)

libluorn1.gif (3 KB)

RE: Ein Augenblick - Added by Elizabeth over 9 years ago

Eliza war nervös. So unsicher war sie schon lange nicht mehr gewesen. Sie hatte sich Pflichten mitten unter Feinden aufgebürdet. Damit musste sie wohl nun leben. Atemlos kam sie an der Akademie an und stürmte weiter zum Aufzug, um in die untere Etage zu kommen. Bevor sie aus dem Aufzug trat holte sie tief Luft und trosselte dann ihr Tempo. Ihre leicht geröteten Wangen und der immer noch flache Atem verriet sie aber dennoch. Ärgerlich bemerkte sie, dass sie die letzte war.

Betont freundlich nickte sie allen zu und lächelte Pebus Ibiraan zu. Kurz nach ihr erschien Boen Eunix. Solange er redete musterte sie unauffällig die anderen: Stiara war immer freundlich, auch sie musste wahrscheinlich leider irgendwann lernen, dass sie nicht mit allen befreundet sein konnte. Sehr schade für die junge bemühte Matis. Eliza unterdrückte ein Seufzen. Dann Purg. Ein Tryker. Sie wusste eigentlich so gut wie gar nichts über ihn. Nunja das sollte sich ändern. Pebus. Sie lächelte. Ihr einziger Freund hier. Nein falsch: Der einzige, der an die selbe Seite glaubte. Er war Karavan. Ihr Blick blieb an Gladeus hängen. Ein markantes Profil. Und die sanften Augen. Und wild verzerrter Hass. Sie zuckte zusammen und blinzelte. Nein, da war nichts, er schien über sie hinweg zu schauen. Sie lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf das, was Boen Eunix sagte.

0002.gif (5.2 KB)

libluorn1.gif (3 KB)