Die Ermordung von Loria

Wie zu erwarten war, verließ unser Ziel den königlichen Palast mitten in der Nacht in Richtung Süden und ließ die Stadt Matia hinter sich. Wir hatten vereinbart uns sehr vorsichtig zu nähern, schließlich hatte man uns mehrfach davor gewarnt ihre Fähigkeiten nicht zu unterschätzen.

Es war nun schon ein Jahr her, seit Loria damit begonnen hatte die Streitkräfte des Herzogs von Tylini herauszufordern, indem sie zahlreiche Angriffe organisierte und mehr und mehr Sklaven befreite, welche sich alsbald in ihren Reihen wiederfanden. Doch heute sollte diese dunkle Farce ein Ende finden und ich würde endlich in der Lage sein meine Position unter den Matis dauerhaft zu sichern.

Als Loria in den Wald verschwand formte mein Gefährte, ein Matis, mit seinen Händen lautlos einige Zeichen: Wir mussten eine Stunde warten, bevor wir auf anderem Weg zum Ort des Hinterhalts, wo wir sie erwarten würden, aufbrechen konnten. Da wir sie einige Wochen beobachtet hatten, kannten wir ihren Weg genau, und auch ihre Abkürzung durch die Urwurzeln war uns wohl bekannt. Und mehr noch: Es war uns sogar gelungen, Fallen in ihrem Versteck aufzustellen, welches sie sich für den Fall der Fälle eingerichtet hatte.

Unter dem Visier seines Parok Helms flüsterte Rocho leise in den Karavan-Kommunikator um die anderen zu unterrichten. Auch wenn ich meine Zweifel an unseren Gönnern auf der Seite der Tryker hatte, so mussten diejenigen auf Matisseite extrem wohlhabend sein, um zwei dieser überaus heiligen Reliquien ihr eigen nennen zu können.

Als die Stunde vergangen war ritten wir so schnell es ging mit unseren Mektoubs durch den Wald, hin zu den Schächten die hinab in die Urwurzeln führten. Diese Eingänge war nicht so komfortabel wie die mit einem Wirbel, und so mussten wir unsere Mektoubs zurücklassen, als wir an einer Kletterpflanze hinabstiegen, an welcher, den Spuren nach, wohl kurz zuvor bereits ein recht kleiner Homin hinabgeklettert war. Sie war definitiv hier entlang gekommen und das Netz um sie zog sich immer enger.

Als wir sie endlich einholten, hatten die anderen sie bereits in einer engen Passage, welche sie grundsätzlich benutzte um der Entdeckung durch Raubtiere zu entgehen, umzingelt. Auch wenn sie kampfbereit schien, zeigte sich doch Verwirrung auf ihrem Gesicht, als sie erkannte, dass sich unter ihren Angreifern auch Tryker befanden. Unser Anführer, Pebre Freldo, verkündete ihr ohne viel drumherum, dass es für sie nun an der Zeit war, für ihren Widerstand gegen die Mächtigen dieser Welt, die Handwerker in Jenas Plan, zu zahlen und dass ihre Seele für ihre Sünden auf immer verrotten würde.

Als wir angriffen, konnten wir wahrhaft erleben, aus welchem Holz Helden geschnitzt sind. Sie war eine außerordentliche Kämpferin, vermied es jedoch tödliche Hiebe gegen die Tryker unter uns auszuführen, was ihr schließlich den Treffer einer Pike in ihre Seite einbrachte. Aber wie durch ein Wunder gelang es ihr dennoch, unserem Hinterhalt zu entfliehen. Es war ja auch schließlich nicht zuletzt ihr Geschick darin, immer wieder aus ausweglosen Situationen zu entkommen, dem sie ihren Ruf verdankte. Sie sprang auf den Rücken eines nahe stehenden Mektoubs, das nicht einmal einen Sattel trug, und schaffte es so uns ab zu hängen.

Doch wie es nicht anders zu erwarten war, floh sie in ihr Versteck; mit ihrer Verletzung konnte sie schließlich die Urwurzeln nicht verlassen, ohne durch den Geruch des Blutes jedes Raubtier im Umkreis von Meilen auf sich aufmerksam zu machen. Pebre befahl allen die Filter in unsere Helme einzusetzen und sich auf den Weg zu Lorias Versteck zu machen.

Als wir ankamen kroch sie gerade auf den Ausgang zu und versuchte der Gaswolke zu entkommen, die unserer Falle entströmte. Selbst die große Loria konnte die tödlichen Ausdünstungen der größten Yelks der Urwurzeln nicht überleben. Wir alle sahen zu, als sie unter Schmerzen weiter kroch, es jedoch nicht einmal schaffte die giftigen grünen Schwaden zu verlassen; schließlich erklärte Pebre sie für so gut wie tod.

Während alle anderen sich bereits abwandten und sie ihrem Schicksal überließen, warf ich noch einen letzten Blick auf die Person, die uns so viel Ärger bereitet hatte. Sie hob noch einmal ihren Kopf und schien einen Moment lang wie gebannt von einem einzelnen Lichtstrahl, der sich den Weg durch die Dunkelheit der Urwurzeln gebahnt hatte. Dann blickte sie mich direkt an, und mit ihrem letzten Atemzug fragte sie: "... Warum ...?"

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