Mabreka

Erzählt von Gangi Cheng-Ho, einem Weisen der Zoraï, der über die Vorkommnisse im Jahr 2485 (Jahr Jenas) berichtet:

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Erster Teil

Nach der Zerstörung der Regenbögen im Laufe des Kitinkriegs wurde ich mit meiner Familie und einem Dutzend anderer überlebender in das Dickicht des Urwalds fernab unseres Dorfes gebracht. Ich erinnere mich noch an das ständige flaue Gefühl im Magen, die Beklommenheit und Unsicherheit. Wir irrten von einem Unterschlupf zum nächsten und schliefen oft in den Bäumen, wenn der Geruch der Kitins schon in der Luft zu schmecken war. Vier Jahre lang lebten wir dieses gefährliche Leben bis eines Tages ein Kami mit meinem Vater über eine Route sprach, die uns in Richtung der Neuen Lande führen sollte, dorthin, wo die Regenbögen unsere Brüder hingebracht hatten.

"Wir müssen noch vor der größten Sommerhitze aufbrechen", drängte meine Mutter und faltete voller Hoffnung ihre Hände, während mein Vater die Neuigkeiten der Gruppe überbrachte.
"Aber es gibt ein Problem. Die Route durchquert die nördlichen Regionen."
"Dann können wir also dort nicht hingehen", sagte Si Li-Ching, der spirituell führende Älteste unseres Dorfes.
"Aber warum?" flehte meine Mutter, die Enttäuschung in ihrer Stimme versetzte mir einen Stich im Herzen.
"Weil wir die Territorien der Matis und Fyros durchqueren müssten."
"Der Älteste hat Recht, Lian, wir müssten uns nicht nur vor den Kitins in Acht nehmen, sondern auch vor den Klingen der Barbaren. Er muss es wissen, er hat den Krieg zwischen den drei Völkern erlebt, ihr Blutdurst ist grenzenlos..."
"Seit zahlreichen Wechseln der Jahreszeiten nun schwächen die unerschöpflichen Kräfte der Kamis und des Karavan den Widerstand der Kitins, und so wie den größte Baum in den windigen Höhen werden sie ihn bald vollständig brechen, und sehr schnell werden uns unsere Länder wieder gehören und der Aufbau wird..."
"Aber wann, Ehrwürden?! Wielange müssen wir das alles noch ertragen?!" fragte meine Mutter verzweifelt, dann wandte sie sich zu meinem Vater, die Hand auf ihrem runden Bauch. Niemals hatte ich solch ein Feuer in ihren Augen gesehen: Die verzweifelte Entschlossenheit einer Mutter, die um das Leben ihrer Kinder kämpft. "Nein", sagte sie. "Das ist vielleicht unsere letzte Chance für einen Neubeginn. Wir müssen aufbrechen, Leng. Sieh uns an, wir werden zu Wilden, jeden Tag ein Stück mehr, nichts an uns ist sauber und rein! Ich gehe, und ich werde jetzt gehen, Leng!"

Meine Mutter wandte sich um und suchte in Windeseile rund um unsere Notunterkunft alle unsere Habseligkeiten zusammen, bevor sie schließlich das Lager verließ, meine kleinen Schwestern an sie geklammert. Ich wendete mich zu meinem Vater um, den ich zutiefst liebte, aber welcher Sohn kann seine Mutter in unbekannten Ländern alleine lassen? So rannte ich also meiner Mutter hinterher, trotz der Rufe meines Vaters. Zu meiner Erleichterung waren wir noch keine dreihundert Meter gegangen, als mein Vater uns einholte. Er versuchte, meine Mutter zur Vernunft zu bringen, aber der flammende Blick ihrer Augen war nur nach vorne gerichtet und sie lief so stur wie ein Madakam weiter.

"Lian, hör mich an!"
"Nein, Leng, ich werde nicht einen Augenblick länger in diesen Ländern vor mich hin welken!"
"Warte, Lian. Bleib stehen!!" Mein Vater packte sie am Arm und legte dann seine großen Hände auf ihre Schultern. Der Blick meiner Mutter wurde noch entschlossener.
"Ich bin fest entschlossen, Leng, ich möchte ein Dach über unseren Köpfen, ich möchte, dass meine Kinder eine gute Erziehung erhalten, eine Zukunft..."
"Lian, meine geliebte Lian, Du bist auf dem falschen Weg, Norden ist in der entgegengesetzten Richtung. Außerdem wird es bald nacht, lass uns lieber am Morgen aufbrechen..."
Als meine Mutter der Worte meines Vaters voll gewahr wurde, schlang sie ihre Arme um seinen Nacken und legte ihren Kopf an seine Brust.

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Zweiter Teil

Am nächsten Tag brachen wir auf, einerseits voller Trauer über das Leben, das wir zurückließen, andererseits voller Entschlossenheit zum neuen Leben, das uns erwartete. Wir konnten die anderen unseren Dorfes nicht überzeugen, sich uns anzuschließen. Sie hatten sich dafür entschieden, in jenen Ländern zu bleiben, in denen sie geboren wurden.

Bevor wir uns auf den Weg machten, nahm mein Vater mich zur Seite: "Mein Sohn", sagte er eindringlich "in den unruhigen Zeiten des Konflikts ist jeder Homin gleich, Du musst tapfer sein und nun lernen, auf Augenhöhe mit Deinen Vorfahren zu handeln." Daraufhin überreichte er mir einen Dolch, den ich wie ein Schwert in meinen Gürtel steckte. "Ich möchte, dass Du über Deine Mutter und Deine Schwestern zu jeder Zeit wachst. Ich selbst werde damit beschäftigt sein, Materialien und Nahrung zu finden und die Mektoubs durch die barbarischen Länder der großen Route entgegen zu führen."

Wir benötigten eine ganze Jahreszeit, um diesen Weg zu erreichen. Junge, frische Farben tanzten vor unseren Augen und Freudenschreie und fremdartiges Glucksen erreichte unsere Ohren, als wir uns einen Weg durch den üppigen Wald bahnten, in dem wir lernten, Beeren und Früchte zu sammeln. Mein Vater erjagte uns Fleisch mit seiner Magie, einige Wildarten ähnelten denen des Dschungels, oft unterschied sie allein die Farbe ihrer Haut.

Der Marsch durch die Wüste war der härteste von allen und die Rohstoffvorkommen dieses Landes waren wenig ergiebig. Noch schlimmer war jedoch, dass der Kami meinem Vater gesagt hatte, dass wir an eine "Linie aus Wasser" gelangen würden, die uns nach Westen zur Großen Route führt. Aber bei unserer Ankunft an jenem Ort, geführt durch die Sterne, mussten wir feststellen, dass der Fluss ausgetrocknet war. Wir hatten keine andere Wahl, als uns mühselig entlang des trockenen Flussbetts zu kämpfen, obwohl mein Vater voller Unruhe war, als wir über eine weite, offene Fläche ohne Sichtschutz reisen mussten, vor allem, da unsere Mektoubs merkwürdig aufgeregt waren, so als spürten sie etwas, das uns entlang der Böschung folgte.

Er fürchtete, dass wilde Tiere oder Barbaren unserer Spur folgten und so verbrachte er zahlreiche Nächte ohne Schlaf, um über uns zu wachen. Eines Morgens waren die Packtiere besonders nervös. Meine Schwestern wurden auf die Rücken der Tiere gesetzt, um solange unseren Schritt beschleunigen zu können, bis die Hitze uns zu sehr erschöpfte.
"Der Fluss muss weiter entfernt wieder an die Oberfläche treten", sagte mein Vater. "Der Kami kann sich nicht geirrt haben. Ich kann es beinahe in der Luft schmecken."

Wir versuchten so gut wie möglich auf dem trockenen und weichen Boden voranzukommen, pressten Wasser aus den Korallen, um unseren Durst zu besänftigen und summten Lieder, um unsere Gedanken von den nervtötenden Insekten abzulenken - und vom Schmerz, der unsere Beine lähmte. Meine Mutter litt von allen am meisten. Ich erinnere mich an ihre vom Marsch im trockenen Schlamm geschwollenen Füße. Sie beklagte sich nie, aber ich wusste, dass sie leidet und dass dies alles nicht gut für das ungeborene Baby in ihrem Bauch sein konnte. Wir suchten im Schatten eines Badoa-Baumes Schutz vor der unerbittlichen Sonne, bis die Hitze wieder etwas abnahm. Ich kletterte entgegen dem Willen meines Vaters das Flussufer hinauf auf der Suche nach Takoda-Blättern um ihre Füße darin zu baden. Am Rande des Ufers fielen meine Augen auf die Überreste eines verlassenen Lagers. Vorsichtig, den Dolch in der Hand, näherte ich mich dem verfallenen Haus, das mir am nächsten war. Keine Hominseele weit und breit war dort zu finden, allein der Wind spielte mit den knarrenden Überresten der Türen. Nach allem was ich sehen konnte, musste es sich um eine Art Außenposten handeln und ich musste über ein Wachhaus gestolpert sein. Unter den Trümmern erspähte ich die Spitze eines Stiefels, und als ich etwas Schutt beiseite schob, fand ich den zweiten. Genau das, was meine Mutter brauchte! Ich zog an den beiden Stiefeln, bis sie sich aus dem Schutt lösten. In ihnen steckten skelettierten Beine, zweifellos von einer Wache, die unter dem, was einmal das Dach gewesen sein muss, begraben worden war. Ich stieß einen Schrei aus, klemmte die Stiefel unter meine Arme und rannte die Böschung hinab so schnell mich meine Füße trugen.

Meine Panik und meine Angst wurden aber durch die Freude meiner Mutter mehr als aufgewogen. Auch wenn sie wenig weiblich waren, passten ihr die herrenlosen Stiefel wie angegossen, aber ich hütete mich, ihr zu sagen, woher ich sie hatte. Ich erinnere mich daran, wie sie voller Entzücken in die Hände klatschte wie ein Kind. An solchen Eigenheiten meiner Mutter bemerkte ich immer wieder, dass in ihr immer noch das kleine Mädchen schlummerte, das sie in meinem Alter gewesen sein musste. Es erfüllte mich mit Stolz bei dem stummen Gedanken, dass sie nun wusste, dass sie sich auf mich verlassen konnte. Und in meinem damaligen alter von siebeneinhalb Jahren fühlte ich mich genauso groß wie mein Vater. Als ich meinem Vater vom Außenposten erzählte, gab er mir einen neckenden Klaps auf den Hinterkopf.

Meine Angst und Panik war mir die Freude meiner Mutter aber wert. Auch wenn es nicht wirklich weibliche Stiefel waren, passten sie ihr wie angegossen. Ich sagte ihr allerdings nicht, wem sie vorher gehört hatten!
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie sie voller Entzücken in die Hände klatschte und sich wie ein Kind über das Geschenk freute.
Ich erkannte, dass trotz ihrer mütterlichen Pflichten und ihrer großen Verantwortung noch ein Teil Kind in ihr steckte. Es erfüllte mich mit Stolz, dass sie nun tief im Herzen wusste, sie könne sich auf mich verlassen. Mit einem Mal fühlte ich mich im Alter von siebeneinhalb genauso groß wie mein Vater.

"Komm, mein kleiner tapferer Frippo", sagte er. "Ich habe das Gefühl, dass wir noch weitere Überraschungen in deinem Außenposten finden können. Wo es eine Hominsiedlung gibt, kann das Wasser nicht weit sein."

Wir kletterten also erneut die Böschung hinauf bis zu ihrem höchsten Punkt und dort, auf der anderen Seite des Dorfes, keine fünfhundert Schritt parallel zum Weg im ausgetrockneten Flussbett, den wir bisher beschritten hatten, erstreckte sich ein spiegelndes Wasserband nach Westen, soweit das Auge blicken konnte. Es handelte sich um einen engen Kanal von fünf Schritt Breite, der von Hominhand angelegt worden sein musste. "Das ist die Wasserlinie, von der der Kami sprach!" rief mein Vater. "Wir sind also die ganze Zeit neben ihr gelaufen, ohne sie zu sehen. Das erklärt auch die Unruhe der Mektoubs, sie haben es die ganze Zeit gespürt!"

Sehr schnell aber verließ uns der neuerwachte Mut von Neuem, als wir am Horizont einen dunklen Fleck bemerkten, an dem Staub aufgewirbelt wurde. Das konnte nur ein Trupp Barbaren sein, die sich gleichermaßen auf der Großen Route bewegte.

"Wir haben nichts zu befürchten", sagte mein Vater schließlich. "Sie sind mindestens einen Tagesmarsch vor uns und ihr Blick ist nach Westen gerichtet, ganz so wie unserer. Wir reisen weiter entlang der Wasserstraße und werden auf unseren Abstand achten."

Also folgten wir dem Aquädukt, der uns mit Fischen und frischem Wasser versorgte, so gut wie immer entlang der Großen Route. Auch brauchten wir uns weniger Sorgen über den Bau eines Lagers für die Nacht machen, denn es reichte aus, ihren Fußspuren zu folgen und ihre Anwesenheit hatte sogar aufgehört, uns zu beunruhigen. Unser Weg war nicht länger ein unbekanntes Wagnis, denn wir konnten mit unseren eigenen Augen sehen, was vor uns lag, und obwohl sie Barbaren waren, waren auch nur Homins, die ähnliche Bedürfnisse hatten wie wir. Wir wurden uns dessen bewusst, als wir die Ruinen von zerstörten Außenposten untersuchten. Beim Durchsuchen der Trümmer haben wir die Bräuche der Wüste kennengelernt und der Ideenreichtum hinter den Entdeckungen erstaunte uns immer wieder. Als wir eines abends unser Lager aufschlugen, fand meine Mutter ein wunderbares Werkzeug, dass es ihr erlaubte, die schmackhaften Kaktusfrüchte zu schälen, die der Zug der Barbaren hinter sich gelassen hatte.

Erleichterung und Freude erfüllten jede Faser unserer Körper als wir schließlich den ersten Wegweiser fanden, so wie es uns der Kami versprochen hatte, der uns den Weg in die Neuen Lande gewiesen hatte. Jeder der folgenden Wegweiser beflügelte uns weiter in der Hoffnung, dass unser Leidensweg eines Tages ein Ende finden würde, solange wir nur immer weiterzögen. Wir wussten auch, dass es noch zahlreiche Jahreszeiten dauern würde, bevor wir unser endgültiges Ziel erreicht hätten und dass wir noch viel Leid und Angst zu ertragen hätten. Ich erinnere mich an ein ganz bestimmtes Ereignis, das uns eine neue Sichtweise auf die Hominheit eröffnete.

***
Dritter Teil

Wir durchquerten ein hügeliges Land, gefolgt von einem Canyon-Kamm, als der Weg sich in zwei Abzweigungen aufteilte. Von unserem Standpunkt aus konnten wir sehen, dass eine von ihnen in den Canyon hinabführt und auf der anderen Seite wieder herauf. Die andere Abzweigung überquerte die Schlucht über eine Holzbrücke. Zu diesem Augenblick fehlte es uns sehr an Wasser, die Hitze war mörderisch und wir fühlten uns ausgelaugt. Auf der anderen Seite der Brücke erschien alles satter, die Vegetation war viel grüner und ein Wasserfall glitzerte unter der brennende Sonne. Was meinen Vater die Entscheidung jedoch abnahm war der Anblick von Silhouetten von Mektoub-Reitern der Barbaren vor uns, die in der Ferne einen Hügel erklommen vom längeren Weg her, die plötzlich ihre Schwerter zogen und sich dann auf uns zustürmend umwandten.

"Wir haben ungefähr noch zwei Stunden, wir können es rüber schaffen, wenn wir über die Brücke gehen, wenn wir erst einmal auf der anderen Seite sind, kappen wir die Brücke, es ist unsere einzige Chance!"

Im Laufschritt versuchten wir die Brücke zu erreichen, die Barbaren waren auf unseren Fersen und kamen schnell näher. Ich verstand einfach nicht, warum sie so entschlossen waren, uns einzuholen, aber ich hatte keine Zeit, groß darüber nachzudenken, ich benötigte all meine Kraft, um nach dem langen Marsch noch meine Beine zu heben und gegen die Angst anzukämpfen, dass wir es nicht rechtzeitig schaffen würden. Keine fünfzig Schritte von der Brücke entfernt hörten wir den Galopp der Mektoubs immer lauter, mit jedem Schritt, den ich unter Schmerzen in Richtung Brücke tat. "Dreht Euch nicht um, lauft zur Brücke!" schrie mein Vater.

Wir rannten noch schneller, aber ich konnte nicht anders und warf einen kurzen Blick zurück. Hinter mir sah ich drei Reiter, die ihre Schwerter wild in den Himmel reckten, weniger als vierhundert Schritt hinter uns. Die Brücke war keine dreißig Meter mehr vor uns als unsere Pack-Mektoubs in Panik gerieten und scheuten. Bevor sie meine Schwestern allerdings durch ihr wildes Gehabe abwerfen konnten, erreichte mein Vater die Mektoubs, riss sie aus den improvisierten Sättel heraus und lief mit den beiden unter seinen Armen weiter. Wir rannten weiter, nur noch zehn Schritte bis zur Brücke, aber in diesem Moment passierten wir eine Vertiefung in der Wand des Canyons und blanker Horror ergriff uns! Zwei riesige Kirosta, Kitin-Soldaten - und wir liefen ihnen genau vor die Beißzangen!

Sie eilten auf uns zu mit grauenerregendem Klacken ihrer gewaltigen Zangen. Mein Vater stellte sich schützend vor uns, er versuchte sie mit seiner Magie in Schach zu halten, so dass wir an ihm vorbei zur Brücke rennen konnten - doch es fehlten zahllose Planken in ihr, wir konnten sie unmöglich überqueren. Ich sah meinen Vater immer schwächer werden, seine Zauberkraft schwand und seine Schläge kamen immer langsamer, nicht mehr lange, und die Kirostas würden über ihn herfallen. Ich dachte, dass die Barbaren ihre Jagd beendet hätten, als sie die Kreaturen sahen, aber sie beschleunigten ihren Galopp noch, erreichten uns schließlich und sprangen von ihren Mektoubs. Ich zog meinen Dolch und stellte mich vor meine Mutter und meine Schwestern, aber plötzlich donnerten mit unbekannte Zauber an uns vorbei und trafen mit voller Wucht die Monstren. Dann rannten sie an uns vorbei und kämpften an der Seite meines Vaters, ihre tödlichen Klingen bohrten sich in Schwachstellen der Kitinpanzer und brachten sie schließlich zu Fall.

Ein großgewachsener Matisbarbar schritt zu meinem Vater, der sein ganzes Sap erschöpft hatte und vor Schwäche zitterte. Der Matiskrieger, der den Namen Matini trug, packte ihn bei den Schultern und stellte in ihn wieder auf die Füße.

"Homin", sagte er schließlich "niemals zuvor habe ich eine solche Entladung von Magie gesehen."
"Und ich", sagte Kalus, ein Fyros "habe niemals gesehen, dass sich ein Homin alleine zwei Kitinsoldaten entgegenstellt!"
"Ich dachte schon, wir würden euch nie rechtzeitig erreichen", fügte Bremmen hinzu, in Größe und Gestalt eindeutig ein Tryker.
Auch wenn wir nicht jedes einzelne Wort verstanden, so wurde der Sinn ihrer Worte doch klar. Es war auch offensichtlich, dass mein Vater durch sie tief bewegt war.
"Wir beobachteten Eure Bewegungen schon, seit ihr bei den Ruinen von Pekith die Wasserstraße erreicht habt. Als wir gesehen haben, dass ihr die falsche Abzweigung nahmt, haben wir versucht, Euch zu vor dem Hinterhalt der Kitins zu erreichen."
"Homins... Brüder, jetzt verstehe ich. Wie kann ich Euch jemals danken?" sagte mein Vater mit seiner Rechten auf seinem Herzen.
"Indem ihr mit uns zu den neuen Landen reitet, nur gemeinsam haben wir eine Chance", nickte der Matis. "Kommt, wir müssen hier weg, bevor weitere Kitinsoldaten kommen, diese Gegend hier wimmelt nur so von ihnen, es gibt hier einen Zugang zu den Urwurzeln, nicht weit von einem ihrer Nester."
"Wir sind mit vielen weiteren Flüchtlingen unterwegs, die weiter vorne auf uns warten, Essen und Trinken wartet auf Euch", lächelte uns der Fyros Kalus zu.
"Übrigens, ich hoffe, der Kaktusschäler hat Dir gefallen, meine Dame", grinste Bremmen und zwinkerte meiner Mutter zu. "Meine Frau war der Meinung, dass er für euch nützlich sein könnte."

Die drei fingen unsere Mektoubs wieder ein und setzten meine Mutter und meine Schwester auf ihre Rücken. "Kommt, hier ist genug Platz für zwei", sagte der Matis zu meinem Vater und zog ihn auf sein Reittier. Meine jüngste Schwester fand Platz hinter dem Fyros, und für mich wurde es die wunderbarste Reise meines ganzen Lebens an der Seite des Trykers Bremmen, des mutigsten und auch spirituellsten Homins, den ich jemals kennenlernen durfte.

Mein kleiner Bruder wurde auf dieser Reise geboren, unter Homins jeder Rasse. Als Dank und als Erinnerung an die Einheit der Völker nannte mein Vater ihn Matini Bremmen Kalus Cheng-Ho. Doch alle nannten ihn kurz: Mabreka.

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