Yi Be-Pian, Ein alter Zoraï der Gemeinschaft des Ewigen Baumes

Erster Teil

Wir sind bis ins letzte Loch des Hafens der Reinheit gereist, um Homins einer der wichtigsten Stämme der Rinde kennen zu lernen - die Gemeinschaft des Ewigen Baumes. Nachdem wir Kontakt zu Bian La-Viang, dem Empfänger, aufgenommen hatten, schickte dieser uns letztendlich zu einem alten Zorai, der in seine Töpferarbeiten vertieft war.

Guten Tag, wer sind Sie?
Psst… Einen Augenblick…
Er bastelte noch einen Moment an der Vase herum, ehe er sie absetzte.
…So, ist es ist nicht besser so? Danke, dass Sie gewartet haben. Geduld ist eine gute Tugend. Was sind schon ein paar Minuten in meinem Alter? Wahrscheinlich nicht mehr als mein Leben auf der Skala des Schöpfers… Ich heiße Yi Be-Pian. Man sagt, ich sei ein Weiser. Doch das ist wahrscheinlich nur eine freundliche Art zu sagen, dass ich der Älteste der Gemeinschaft des ewigen Baumes bin. (Gelächter)

Erzählen Sie uns von der Gemeinschaft. Wann wurde sie gegründet?
Ich bin auch nicht alt genug, um das miterlebt zu haben, denn unsere Gemeinschaft wurde von der geehrten Mai Loo-Kai gegründet, um 2364. Viele erinnern sich nicht gerne an diese Zeiten. Die Zorai-Gesellschaft hatte sich entwickelt und trotz ihrer Hingabe zu den Dingen des Geistes, fing sie an sich von den Kami zu entfernen, um sich um bodenständigere Probleme zu kümmern. Als sie fest stellte, dass die Zorais die Homins immer häufiger vor die Kami stellten, versammelte Mai Loo-Kai - möge ihr Geist uns den Weg noch lange weisen - mehrere Freunde um sich und beschloss, eine Gilde zu gründen, die sich ausschließlich den Kami widmete.
In seiner großen Weisheit erklärte der Rat sich damit einverstanden und unterstützte sie. So gründete Mai Loo-Kai die Gemeinschaft des Ewigen Baumes. Zusammen mit jenen, die man bald ihre Anhänger nannte, predigte sie den Respekt der Kami und ermahnte die Zorai regelmäßig.

Sie sind also kein Stamm?
Ma-Duk hat Atys nicht an einem Tag erschaffen, ich kann meine Geschichte nicht in einem Sapschlag erzählen. (Gelächter)
Eines Tages merkte Mai Loo-Kai also - möge ihr Sap in den Adern Ma-Duks fließen - dass die so genannten Weisen sich nicht an die Ratschläge hielten, die sie anderen gaben. Darauf hin ermahnte sie die Weisen ebenfalls.
Diese waren nicht sehr erfreut darüber. So begannen die Schwierigkeiten der Gilde. Der Rat fing an, sie zu kritisieren und warf ihr vor, Unruhe zu stiften, um die Macht an sich zu reißen. Viele fingen an zu zweifeln. Mai Loo-Kai spürte, dass die Macht der Homins ihre Gilde und deren Ideale früher oder später verraten würde, wenn sie in Zoran bliebe. Mai-Loo Kai versammelte ihre treuen Anhänger, löste die Gilde auf und zog weit von der Autorität des Rates weg, der ihr nobles Schicksal störte.

Und die zentrale Macht aus Zoran ließ sie in Ruhe?
Mai Loo-Kai, gelobt sei ihre Weisheit, hörte auf zu predigen und widmete sich ausschließlich den Wesen, die sie anbetete: den Kami. Sie bewies, dass der Rat Unrecht hatte und der Beweis ihrer Hingabe machte mehr Eindruck auf die Zorai-Gesellschaft als alle ihre Predigten. Indem sie sich weniger für die Homins interessierte, brachte sie sie zurück auf den Weg der Erleuchtung. Der Rat bat sie beschämt darum, zurückzukehren, doch sie weigerte sich. In Zoran hätte sie nirgends in solch einer Symbiose mit den Kami leben können. Sie starb kurze Zeit darauf und hatte als erste das Kami-Zeitalter erreicht. Ihr Sap ist mit jenem Ma-Duks verschmolzen. Bald werde auch ich an der Reihe sein.

Als ich Ihr Lager beobachtete, stellte ich mir ein paar Fragen. Es gibt zahlreiche Völker in der Gegend hier, doch Sie sprechen nur von den Zorai…
Die Beobachtung. Eine große Gabe, für jemanden, der sehen kann. Mein Volk blieb lange nur unter seinesgleichen, aus Angst, aber meiner Meinung nach auch aus Unwissenheit. Die Unwissenheit hat es in die Eitelkeit getrieben. Doch als die Kami uns als treueste Diener erkannten, wurde uns die Aufgabe erteilt, das heilige Wort Ma-Duks an andere Völker weiter zu geben. Als wir auf Seelen stießen, die bereit waren, unserem Weg zu folgen, öffneten wir allen Homins unsere Türen, welche die Kami für würdig hielten. Dann kam die große Kitin-Welle, die die ganze Zivilisation überrollte… und auch viele unserer Leute. Die Kami flüchteten… um später umso besser zurück zu kehren, nachdem sie ihre Kräfte wieder vereint hatten, wie wir erst später verstanden. Als die Rinde uns erneut zugänglich wurde, haben wir uns 2483 wieder auf die Seite der Kami gestellt. Der Stamm hatte viele Mitglieder verloren. Dann öffneten wir uns all jenen, die wieder eine harmonische Welt mit den Kami aufbauen wollten, seien es Zorai, Tryker, Fyros oder Matis.
Es ist an der Zeit für mich, meine heiligen Pflichten für Ma-Duk zu erfüllen… Merken Sie sich Ihre Fragen, die Antworten erhalten Sie, wenn die Zeit reif ist.

Ich überließ Yi Be-Pian seiner Meditation und lies die ruhige Atmosphäre auf mich wirken, die im Stamm herrschte.

Zweiter Teil

Als ich da saß und still das Lager beobachtete, merkte ich nicht sofort, dass Yi Be-Pian sich neben mich setzte. Lächelnd brach er schließlich das Schweigen.

Es ehrt Sie, dass Sie unsere Traditionen respektieren. Es scheint, als würde Ma-Duk mich heute noch nicht zu sich rufen. Manche Ihrer Fragen können also noch beantwortet werden.

Ein Punkt verstehe ich nicht wirklich. Sie schwören nur auf die Kami, doch Sie scheinen keine allzu großen Probleme mit den Matis zu haben.
Auch wenn wir es verurteilen, dass sie die Karavan - möge das Goo sie auffressen - bevorzugen, respektieren wir ihre Liebe für die Pflanzen und die Forschungsarbeiten, die sie in diesem Sinne durchführen. Wir hoffen, ihnen eines Tages die Augen öffnen zu können und sie davon zu überzeugen, ihre große Wissenschaft in den Dienst der Kami zu stellen, um das Goo zu bekämpfen.
Nein, diejenigen, die uns wirklich leichtsinnig vorkommen, sind die Fyros. Sie sind schlimmer als Kinder. Wir können keinesfalls akzeptieren, dass ihre Regierung ihre gefährlichen Spiele mit dem Feuer toleriert. Sie behaupten, sie würden die Kami verehren, doch wie die Weisen seinerzeit stellen sie ihre persönlichen Interessen vor die Interessen von Atys.

Wie wird man würdig, um den Kami in der Gemeinschaft zu dienen?
Darüber entscheiden nur die Kami. Diejenigen, die die heiligen Regeln am treuesten beachten und alle Kami kennen lernen, haben die große Ehre, auserwählt zu werden, um ihnen zu dienen.
Zu der Zeit da der Stamm so respektiert wurde, wie es sich gehört, sahen alle die Kami als heilige Wesen an. Auch wenn es mehrere Religionen gab, galt die Gemeinschaft des Ewigen Baumes als Elite und wir wurden als die frommsten der Frommen angesehen.

Wie dienen Sie den Kami?
Es gibt tausend Möglichkeiten, den Kami zu dienen. Sie anzubeten oder sich um ein Fleckchen Erde zu kümmern reicht schon aus. Es liegt dem Stamm jedoch mehr am Herzen, die Lehre des Ma-Duk - möge sein Sap ewig fließen - zu verbreiten und die Homins für die Erhaltung von Atys zu sensibilisieren. Diejenigen, die ausgewählt wurden, um den Kami direkt zu dienen, haben die Ehre als Sprecher zu dienen. Sie leben bei den Kami, um sich mit ihrem Lebensstil vertraut zu machen und ihre Sprache besser zu verstehen. Diese Auserwählten werden als Erste das Kami-Zeitalter erreichen. Davon bin ich überzeugt, denn sie sind am besten in der Lage, die Worte zu verstehen, die sie uns übermitteln. Unsere Ergebenheit verlangt auch konkretere Handlungen zum Erhalt von Atys. Wir bestellen den Boden, um die schädlichen Dinge herauszuziehen oder versiegte Quellen wieder zu sähen, die von rücksichtlosen Abbauern zerstört wurden. Außerdem versuchen wir, Atys vor seinen gefährlichsten Feinden zu schützen. Die Karavan und die Homins, die sich dazu herab gelassen haben, der Kuilde zu dienen. Eines unserer Lager befindet sich deswegen im Nexus, um zu versuchen, ihre unheilvollen Aktionen einzudämmen.

Wieso im Nexus?
Jetzt fangen Sie schon wieder an Fragen zu stellen, ohne nachzudenken… Denken Sie an die geografische Lage des Nexus, die noch durch drei Wirbel verstärkt wird… Sehen Sie, die Antwort liegt oft näher als man meinen könnte, man braucht nur darüber nachzudenken. Der Nexus ist zentral gelegen. Man ist sonst nirgendwo näher bei allen Regionen gleichzeitig. Die Kuilde versucht auf diesem Weg, ihre Kontrolle über die Ressourcen von Atys zu verstärken und insbesondere über die oberen Urwurzeln. Da die Karavan sich nur wenig um das Gleichgewicht von Atys scheren, müssen wir versuchen, sie davon abzuhalten, diese Regionen mit den stinkigen Ragus zu zerstören, die sich bei der Kuilde einschleimen. Doch wenn sie sich auf Nexus konzentrieren, können wir wenigstens in Ruhe unsere Nachforschungen über unseren Erzfeind, das Goo, durchführen.

Erzählen Sie mir vom Kampf gegen das Goo. Wie kommt es, dass die Kami in all der Zeit noch keinen Weg gefunden haben, es auszurotten?
Die Kami sind machtlos gegen das Goo. Sie werden immer anfälliger dagegen. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie ein Kami vom Goo aufgesaugt wurde, ehe ich etwas unternehmen konnte. Nein, wie gesagt, es ist an uns sie zu beschützen. Wussten Sie, dass die Homins dem Goo besser widerstehen als die meisten anderen Lebewesen? Unsere jüngsten Beobachtungen scheinen das zu bestätigen. So beschützen die Kami Atys und wir beschützen die Kami. Es gibt für alles ein Gleichgewicht.

Wie erklären Sie sich, dass das Goo nur im Dschungel dauerhaft präsent ist?
Trotz all unserer Nachforschungen konnten wir leider keine Erklärung dafür finden. Doch unsere neusten Beobachtungen lassen uns glauben, das Goo säße hauptsächlich im Dschungel, weil es dort am meisten Pflanzen gibt. Das Goo greift alles an, was lebt. Wenn es sich davon ernährt, liegt es nahe, dass es sich dort ansiedelt, wo es die größte Vielfalt gibt.

Droht der anstehende Konflikt nicht, Ihren Kampf gegen das Goo zu gefährden?
Das befürchten wir in der Tat. Wir werden alles tun, um Ma-Duk, den Schöpfer aller Dinge, zu verteidigen. Das wird uns davon abhalten, das Goo zu regulieren. Hinzu kommt noch die Angst, die Karavan könnten das Goo nutzen, um die Kami anzugreifen und so den Untergang von Atys noch zu beschleunigen. Hoffen wir nur, dass wir diese Verrückten aufhalten können, ehe sie zu solchen Methoden übergehen. Einerseits bin ich glücklich zu wissen, bald zu Ma-Duk zu kommen. Ich habe die Kraft nicht mehr, zu Waffen zu greifen und ohnmächtig einem Geschehnis zuzusehen, das sich als Wendepunkt in der Homin-Geschichte ankündigt. Es würde mir das Herz zerreißen. Möge ich das Kami-Zeitalter erreichen, ehe Jena kommt!

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